Rohrberg – (m)ein Zauberberg

Den Rohrberg  kann man wohl als Weißenburger Hausberg bezeichnen. Mit seinen 603 m ist er zwar eher ein Hügel, aber er erhebt sich als Teil des Mittelgebirges Fränkische Alb prägend bei Weißenburg.

Doch warum Zauberberg?

In Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ wird ein fiktives Lungensanatorium in den Schweizer Alpen beschrieben, hier schließt sich dann auch einmal der Kreis, denn bis zum Jahr 1958 wurde auf dem Rohrberg eine Lungenheilstätte betrieben. In dem 1924 erschienenen Roman beschreibt Thomas Mann den siebenjährigen Sanatoriumsaufenthalt des Hamburger Kaufmannssohns Hans Castorp. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs begegnet Castorp dort Persönlichkeiten mit unterschiedlichsten Weltanschauungen. Die Auseinandersetzung mit ihnen wird prägend für den jungen Mann. Die erzählte Zeit umfasst die Jahre 1907 bis 1914.

Neben diesem historischen Bezug ist der Rohrberg mit seiner Natur- und Pflanzenvielfalt einfach zauberhaft, weshalb es nicht nur mich, sondern auch für viele Weißenburger ein gern besuchter Ausflugsort ist.

Märzenbecherwald in Rohrbach bei Ettenstatt

Die ehemalige Lungenheilstätte

in Weißenburg i. Bay. gründete sich am 15. Mai 1908 auf einer Versammlung ein Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose.34 In seiner Satzung machte es sich der Verein zur Aufgabe, durch die Errichtung einer Fürgesorgestelle sowie einer Walderholungsstätte die Volkskrankheit Tuberkulose zu bekämpfen. Walderholungsstätten waren hinsichtlich ihrer Anlage den Volksheilstätten ähnlich, jedoch lediglich für die Unterbringung von Patienten mit leichteren Tuberkulose-Erkrankungsformen während des Tages ausgelegt. Nachts kehr-ten die Tuberkulösen aus den in stadtnahen Wäldern gelegenen Erholungsstätten in ihre Wohnungen zurück.35

Der „Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Weißenburg i. B.“ rechtfertigte seine Tä-tigkeit damit, dass in der mittelfränkischen Stadt „von jeher eine überraschend hohe Erkran-kungs- und Sterblichkeitsziffer an Tuberkulose“ 36 zu beobachten war. Auf die Gesamtzahl der Sterbefälle berechnet betrug sie, laut dem Verein, 25, zeitweise bis zu 30 Prozent. Diese Zahl muss insofern kritisch betrachtet werden, als in der Zeit von 1895 bis 1925 die Tuber-kulosesterblichkeit in Deutschland rund zehn Prozent aller Todesfälle ausmachte.37 Wenn jedoch nur die Menschen des jüngeren Erwachsenenalters betrachtet wurden, kann die Zahl wiederum stimmen: In dieser Altersgruppe machte die Tuberkulose im Jahr 1925 landesweit 30 Prozent aller Todesfälle bei Männern und sogar 40 Prozent bei Frauen aus

Märzenbecherwald in Rohrbach bei Ettenstatt

Rohrberghaus

Fränkische Küche und deftige Brotzeiten, Gruppen und Busbewirtung nach Vereinbarung, zwei Nebenzimmer für Feierlichkeiten, Sonnenterrasse. Kinderspielplatz im Wald. Wanderwege direkt ab Haus.

Naturfreundehaus: Belegung auf Anfrage möglich. Übernachtung mit Frühstück. 40 Betten.

Kulinarische Besonderheiten

Kaffee und Kuchen

  • Vegetarische Gerichte
  • Vegane Gerichte
  • Glutenfreie Gerichte
  • Lactosefreie Gerichte

Weitere Besonderheiten

Gastraum: 33 Plätze
Nebenzimmer: 2 Nebenzimmer für 40 und 50 Persone

Hainbuchenwäldchen

Märzenbecherwald in Rohrbach bei Ettenstatt

Der Bismarcksturm

Höhe: 12,65 m
Einweihung: 24.06.1911

Bereits im Jahr 1900 gab es in Weißenburg erste Bestrebungen, eine Bismarcksäule zu errichten. Am 10. Juni 1904 wurde der „Verein zur Errichtung eines Bismarckturmes auf der Wülzburg“ unter Vorsitz des städtischen Forstmeisters Krebs gegründet. Nach kurzer Zeit wuchs der Baufonds durch Spenden auf 2.600 Mark an. Dazu kamen jährlich 1.000 Mark an Beiträgen der Vereinsmitglieder. Der Weißenburger Unternehmer Wilhelm Tröltsch (1840-1925) stiftete 1.500 Mark für den Turmbau.

In der Nacht vom 31.03. auf den 01.04.1905 wurde probeweise ein Feuer vor der Bastion „Kaltes Eck“ auf der Wülzburg entzündet, um die Wirkung einer Turm-Beflammung zu testen. Nachdem man im Juni 1906 auf der Wülzburg ein hölzernes Turm-Provisorium aufgestellt hatte, stellte man fest, dass der Turm vor der historischen Festung optisch nicht ausreichend wahrnehmbar war. Daraufhin wurden neue Standorte diskutiert, u.a. die Ludwigshöhe, der Schroppenwinkel und der Rohrberg.

Als Standort einigte man sich nun auf den Südwesthang des Rohrberges (520 m über NN). Da dieser Platz in Weiboldshausen, also außerhalb des Stadtgebietes von Weißenburg lag, mussten mit den ortsansässigen Bauern Verhandlungen über den Grundstückskauf durchgeführt werden. Zwischen Ende 1908 und 1910 konnte der Verein durch Kauf und Tausch die notwendigen Grundstücke erwerben. Der Magistrat und das Kollegium beschlossen am 19.08.1909 bzw. am 17.09.1909, dass bei den Grundankäufen die Stadtgemeinde Weißenburg als Käuferin und Eigentümerin des Grund und Bodens eingetragen wurde, da die Stadtgemeinde den Turm samt Grundstück nach Fertigstellung übernehmen sollte.

Bauarbeiten

Die Bauarbeiten starteten im Herbst 1910.

Als Baumaterial wurde weißer Kalkstein verwendet, der mit Dolomit und Werkkalkquadern verblendet wurde.

Oberhalb des Eingangs ist das 0,25 m hohe Weißenburger Wappen in den Abschlussstein eingeschlagen (Motiv: Stadttor, darüber ein Doppeladler zwischen den Tortürmen und ein Engel als Schildhalter).

Auf der Südwestseite ist mittig ein Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen als Herzschild angebracht.

Durch den Eingang gelangt man über eine rechtsdrehende steinerne Wendeltreppe mit 46 Stufen

Turmgeschichte

Am Sa., 24.06.1911 wurde die Einweihung im Rahmen eines großen Festes gefeiert. Der Vereinsvorsitzende, Forstmeister Krebs, begann das Fest mit einer Kranzniederlegung am alten Kriegerdenkmal in der Spitalanlage. Danach startete der Festzug mit Marschmusik zum Rohrberg. Der Bismarckturm war zur Einweihung mit Lorbeergirlanden und Fahnen (vor und auf dem Turm) geschmückt. Forstmeister Krebs legte am Turm einen Lorbeerkranz nieder und hielt die Begrüßungsrede. Anschließend überreichte er den Turmschlüssel an den Bürgermeister August Lober, der das Bauwerk in das Eigentum der Stadt Weißenburg nahm.

Die Festrede hielt Pfarrer Albrecht. Die Feierlichkeiten wurden abends mit der Entzündung des Feuers auf dem Turmkopf fortgesetzt. Unter Lampion- und Fackelbeleuchtung wurde von den Besuchern der Rückweg angetreten. Die Einweihung schloss ab 21:30 Uhr mit einem Festabend im Wildbadsaal ab.

Wegen Überfüllung der Feuerschale mit Brenngut entstand dabei ein Brandschaden in Höhe von 100 Mark. Die Feuerschale wurde nun etwas höher angebracht. Die Befeuerung erfolgte durch Benzinrückstände sowie Pech und Baumwolle.

Der Bismarckturm wurde nach der Einweihung dauerhaft für Besucher geöffnet.

Der Bismarckturmverein beschloss bei der abschließenden Generalversammlung am 20.12.1911 die Auflösung des Vereins. Der Überschuss des Vereinsvermögens in Höhe von 35,84 Mark wurde an den Verein zur Errichtung eines Bismarckturms auf dem Hesselberg bei Wassertrüdingen überwiesen [dieser Turm wurde nicht gebaut].

Jeweils zum 01.04. (Bismarcks Geburtstag) wurde die Feuerschale in den ersten Jahren nach der Einweihung entzündet. Am 01.04.1919 konnte das Feuer wegen der fehlenden Brennmasse nicht entzündet werden.

Im Jahr 1921 wurde die Sperrung des Turmes diskutiert, da die „Umgebung des Turmes und der Turm selbst Tummelplatz der lärmenden Jugend“ geworden war. Das Bauwerk blieb weiterhin regelmäßig geöffnet.

In den Jahren 1937, 1987 und 2000 war der Turm frei zugänglich.

Im Jahr 2002 wurde die Bismarcksäule außen und innen saniert.

Das Bauwerk hat seit mindestens 2004 keine Eingangstür mehr (im Jahr 2000 war eine provisorische Holztür vorhanden). Der Bismarckturm ist gut erhalten (Stand: Mai 2016).

Der Turm ist ganzjährig geöffnet.

Art Villa

Märzenbecherwald in Rohrbach bei Ettenstatt

Bärlauch, Märzenbecher und Leberblümchen

Orchideen und Schachbrettblumen

Quellhorizonte und Magerrasen am Albtrauf bei Niederhofen

Märzenbecherwald in Rohrbach bei Ettenstatt

Trimm-Dich-Pfad

Der Trimm-dich-Pfad

Die Erneuerung des Trimm-Dich-Pfades am Rohrberg ist fast abgeschlossen. Die von der Firma Outgym aus Heroldsbach konzipierte Anlage, ist bis auf eine Station bereits benutzbar. Und die Weißenburger sind schon fleißig dabei, sich fit zu machen.

Seit 1975 gibt es am Rohrberg einen Trimm-Dich-Pfad. Nur ist der ursprüngliche „Vita Parcours“ in den vergangenen fast 50 Jahren doch ordentlich in die Jahre gekommen. Drei Stationen hatten aus Sicherheitsgründen schon abgebaut werden müssen. Die Instandsetzung wurde nun mit Mitteln des Regionalbudgets gefördert. „Dadurch soll eine engagierte und aktive eigenverantwortliche ländliche Entwicklung unterstützt und die regionale Identität gestärkt werden“, machte Forstamtsleiter Jürgen Fischer deutlich.

20 000 Euro investiert

Für den Trimm-Dich-Pfad am Rohrberg gab es 10 000 Euro aus dem Regionalbudget der ILE-Region Rezattal-Jura. Insgesamt schlug das Vorhaben mit rund 20 000 Euro zu Buche. Der 1,7 Kilometer lange Rundweg, der zum Teil auch auf Höttinger Gemeindegebiet verläuft, ist ein Kleinod in schönster Natur. Das Städtische Forstamt unterhält parallel dazu einen natur- und vogelkundlichen Pfad. Nicht weit entfernt davon ist der Bismarckturm als Aussichtspunkt und das Rohrberghaus der Naturfreunde, an dem auch Start und Ziel liegen.

Nach T-Shirt-Wetter nun Schnee und Schneematsch in Bayern

Betreut wird der Trimm-Dich-Pfad von den Weißenburger Naturfreunden, fachlich zuständig ist das städtische Forstamt, das auch für die Sicherheit der Fitnessgeräte sorgen muss. Und dieser Aspekt stellte bis dato ein grundlegendes Problem dar, denn es war kein Zertifikat zu bekommen, das – ähnlich wie bei Spielplätzen – die Sicherheit der Einrichtung bescheinigt, sodass die Stadt bei korrekter Pflege und Wartung aus der Haftung ist. Daher wollte man eigentlich den Trimm-Dich-Pfad mit der Zeit auflassen, sprich defekte Stationen nicht mehr erneuern.

Freizeitangebot im Stadtwald

Doch durch die Maßnahme im Zuge der Regionalbudgetförderung hätten sich nun neue Möglichkeiten ergeben. Das Konzept für sportliche Bewegung im Freien und der Vita Parcours, entstanden in den 1970er-Jahren als Antwort auf verschiedene Wohlstandskrankheiten. Dies löste auch spätere Trends wie Joggen, Mountainbiken, Yoga und ähnliches aus. In jüngster Zeit, nicht zuletzt auch durch die Corona-Pandemie, erlebten leichte und für jedermann bewältigbare, sportliche Übungen im Freien, eine Renaissance.

Märzenbecherwald in Rohrbach bei Ettenstatt

Bärlauch

Bereits ab Mitte März kann Bärlauch im Wald geerntet werden. Die Bärlauch-Saison ist jedoch nur von kurzer Dauer. Sobald das auch als wilder Knoblauch bekannte Kraut gegen Ende April oder Anfang Mai blüht, werden die Blätter ungeniessbar.

Warum sollte man Bärlauch nicht mehr essen, wenn er blüht?

Dass du Bärlauch nach der Blüte nicht mehr essen solltest, liegt vor allem am Geschmack. Dieser lässt mit der Blüte nach und wird leicht bitter und die Blätter faserig. Giftig ist Bärlauch jedoch auch dann nicht. Der Geschmack geht dann in die essbaren Blüten des Bärlauchs über, die sich ebenfalls hervorragend zum Würzen eignen.

Wo wächst Bärlauch?

Wer Bärlauch pflücken will, wird am ehesten in Laubwäldern mit lockerem, humusreichem und kalkhaltigem Boden fündig. Aber auch an schattigen Bachläufen fühlt sich Bärlauch wohl. Hat sich Bärlauch erst einmal angesiedelt, erscheint meist gleich ein flächendeckender Teppich aus den grünen Blättern. Dann weist schon der würzige Duft auf die Fundstellen hin.

Clematis - fränkische Lianen

Clematis

Die heimische Clematis – eine der wenigen Lianen Europas

 

Pionierpflanze in unseren Auenwäldern

 

Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das sind neben der Stadt Rastatt die Gemeinden Iffezheim, Steinmauern, Ötigheim und Muggensturm, trifft man die Pionierpflanze fast überall an, bevorzugt in Waldrandlagen unserer Auenwälder, wo sie nicht selten dichte Vorhänge bildet und dem Wald einen richtigen Urwaldcharakter verleiht. Sie kommt gerne auch auf Waldlichtungen, in Hecken und in verwilderten Stadtgrundstücken vor.

 

Gehört wie Christrose und Küchenschelle zur Familie der Hahnenfußgewächse

 

Die Waldrebe gehört zu den Hahnenfußgewächsen. In diese Pflanzenfamilie gehören auch Christrose, Küchenschelle, Buschwindröschen und Scharbockskraut.

 

Flauschige Fruchtstände für die Floristik

 

Besonders fällt die Waldrebe im Herbst und Winter durch ihre silbrigen, wolligen, wattebauschähnlichen Fruchtstände auf. Diese werden aus vielen kleinen, braunen Nüsschen, die mit etwa 3 Zentimeter langen federig behaarten Flugorganen ausgestattet sind, gebildet.

 

Old man’s beard – auf Deutsch „Bart des alten Mannes“: so nennt man die Pflanze in England aufgrund ihrer silbrig schimmernden Fruchtstände, die wie weiß-graue Haare aussehen.

 

Die weichen Clematis-Fruchtstände, die das kahle Geäst der winterlichen Hecken zieren, eignen sich hervorragend als Grundlage für viele Herbst- und Winterdekorationen.

 

Eine der wenigen Lianen Mitteleuropas

 

Die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba), ist ein wahrer Kletterkünstler und eine der wenigen Lianen Mitteleuropas. Der lateinische Name Clematis wird abgeleitet vom griechischen Wort Kléma, was Ranke bedeutet. Die starkwüchsige linkswindende Schlingpflanze klettert an Bäumen bis in eine Höhe von rund 10 bis 15 Metern empor. Aufgrund ihres intensiven Längenwachstums kann sie Bäume und Sträucher in relativ kurzer Zeit überwachsen. Dabei fungieren die Stiele und die Spindel der Fiederblätter als Ranken.

 

Dass die Waldrebe die Wirtspflanze im Lichtgenuss schmälert, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Insbesondere auf Verjüngungsflächen im Wald kann sie sich stark ausbreiten und Schäden anrichten. Für die älteren Bäume bleibt die Waldrebe in der Regel ungefährlich. Besondere Bedeutung kommt ihr bei der Erhaltung unserer typischen Waldfauna zu, ein Umstand, der nicht zu gering eingeschätzt werden darf. Für zahlreiche Insekten ist sie bevorzugtes Biotop. In ihrem Geranke finden Singvögel gute Brutstellen und kleinere Säuger einen sicheren Unterschlupf. Der sich in Streifen lösende Bast und die lang behaarten Früchte werden von vielen Vogelarten zum Nestbau verwendet.

 

Nahrungspflanze für zahlreiche Schmetterlingsraupen

 

Nachgewiesen ist, dass an der Gewöhnlichen Waldrebe über 30 verschiedene Schmetterlingsraupen fressen, sieben davon ernähren sich ausschließlich (monophag) von Blättern der gewöhnlichen Waldrebe.

Autorin: Sigrun von Berg
6. April 2022