Der Walburgaweg in Heidenheim am Hahnenkamm – Auf den Spuren einer großen Heiligen
Heidenheim am Hahnenkamm blickt auf eine jahrtausendealte Klostergeschichte zurück und gilt als einstiger Lebens- und Sterbeort einer der bedeutendsten Heiligen Europas: der heiligen Walburga. Genau diese Geschichte macht sich nun ein neues Ausflugsziel zunutze – der Walburgaweg, ein Pilger- und Erlebnispfad rund um das historische Kloster Heidenheim.
Ein neuer Weg für Pilger, Wanderer und Neugierige
Das Klosterprojekt „Neues Leben in Alten Mauern“ hat sich zum Ziel gesetzt, Walburga als zentrale Identifikationsfigur Heidenheims wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Das wichtigste Element dabei ist der neu entstandene Walburgaweg, der Besucher auf kunstvolle Weise mit dem Leben und Erbe dieser Heiligen in Berührung bringt.
Zwei Varianten – Startpunkt Walburgasäule
Je nach Zeit und Kondition kann der Weg in zwei Varianten begangen werden: einem kürzeren Rundweg mit acht Stationen, für den man rund eineinhalb Stunden einplanen sollte, sowie dem vollständigen Walburgaweg mit insgesamt zwölf Stationen und einer Gesamtlänge von etwa 5 Kilometern. Startpunkt ist jeweils die Walburgasäule des Bildhauers Ernst Steinacker vor dem romanischen Münster St. Wunibald. Von dort führt der Weg durch den ehemaligen Klostergarten, vorbei am Heidenbrünnlein, am Gießbach entlang durch den Ort bis zur katholischen Kirche St. Walburga – und schließlich wieder zurück zum Münster, wo mit dem Walburgagrab und dem 5-Boten-Altar besondere Glanzpunkte warten.
An jeder Station erwartet die Besucher eine künstlerisch gestaltete Installation. Die Stationen tragen Titel wie „Sehnsucht“, „Aufbruch“, „Lebenskraft“, „Innehalten“, „Heilung“ oder „Lichtwunder“ – allesamt Begriffe, die aus dem Leben Walburgas heraus entwickelt wurden und gleichzeitig universelle menschliche Themen berühren. Denn der Weg versteht sich nicht nur als historisches Lehrpfad, sondern auch als Angebot zur persönlichen Reflexion: Er lädt ein, das eigene Leben in ein neues Licht zu rücken und Fragen zu stellen, die über den bloßen Spaziergang hinausgehen.
Die heilige Walburga – Eine Frau, die Geschichte schrieb
Um den Walburgaweg wirklich zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Frau, die ihm den Namen gibt: die heilige Walburga – Äbtissin, Missionarin und eine der einflussreichsten Frauen des frühen Mittelalters.
Walburga erblickte um das Jahr 710 im südenglischen Wessex das Licht der Welt. Sie entstammte einer Familie, die gleich mehrere Heilige hervorbrachte: Ihr Vater war der heilige Richard von England, ihre Brüder die späteren Heiligen Willibald, erster Bischof von Eichstätt, und Wunibald, Gründer des Klosters Heidenheim. Und mit Bonifatius, dem „Apostel der Deutschen“, war sie verwandtschaftlich verbunden. Früh verwaist, wurde sie bereits als Kind in das angesehene Kloster von Wimborne in Dorset aufgenommen, wo sie über zwei Jahrzehnte lang eine umfassende klösterliche und intellektuelle Ausbildung erhielt – und auf ihre spätere Aufgabe als Missionarin vorbereitet wurde.
Um 748 folgte sie schließlich dem Ruf ihres Onkels Bonifatius und überquerte mit einer Gruppe von Gefährtinnen die Nordsee in Richtung Kontinent. Nach einem ersten Aufenthalt in Tauberbischofsheim zog es sie weiter nach Süden, wo ihr Bruder Wunibald in Heidenheim am Hahnenkamm ein Benediktinerkloster aufgebaut hatte. Als Wunibald 761 starb, übernahm Walburga nicht nur die Leitung des Frauenkonvents, sondern wandelte die gesamte Anlage in ein sogenanntes Doppelkloster um, in dem Mönche und Nonnen gemeinsam, aber getrennt voneinander, unter einem Dach lebten. Das war für die damalige Zeit eine bemerkenswerte, ja geradezu revolutionäre Entscheidung: Heidenheim war damit das erste und für lange Zeit einzige Kloster dieser Art auf dem europäischen Kontinent – und stand unter der Führung einer Frau.
Walburgas Wirken beschränkte sich nicht auf das Geistliche. Die Gemeinschaft der Nonnen kümmerte sich um Kranke, nahm Waisenkinder auf und führte Schulen, in denen vor allem Mädchen unterrichtet wurden. Das Kloster entwickelte sich zu einem bedeutenden Missions- und Kulturzentrum der Region. Auch die Überlieferung des Lebens ihrer Brüder geht auf Walburgas Initiative zurück: Sie beauftragte die angelsächsische Nonne Hugeburg, deren Biographien aufzuschreiben – ein wertvolles Zeugnis frühmittelalterlicher Hagiographie.
Walburga starb am 25. Februar 779 in Heidenheim. Ihr Ruhm verbreitete sich jedoch erst nach ihrem Tod so richtig – und zwar mit erstaunlicher Wucht. Als ihre Gebeine um 870 auf Geheiß des Eichstätter Bischofs Otgar nach Eichstätt überführt wurden, was kirchenrechtlich als ihre Heiligsprechung gilt, begann eine europaweite Verehrungswelle. Von Belgien und den Niederlanden über Frankreich und Skandinavien bis hin nach Österreich und in die Schweiz wurden ihr Kirchen, Kapellen und Klöster gewidmet. Allein in Deutschland tragen heute fast 60 Gotteshäuser ihren Namen.
Ein besonderes Zeichen ihrer Verehrung ist das sogenannte Walburgisöl: Jeden Winter, etwa von Oktober bis zum Todestag am 25. Februar, sammelt sich an ihrem Reliquienschrein in Eichstätt eine klare Flüssigkeit, der seit Jahrhunderten Heilkraft zugesprochen wird. Zahllose Votivtafeln in der Gruftkapelle zeugen bis heute von den Erfahrungen Hilfesuchender aus aller Welt. Die Verehrungspraktiken rund um die heilige Walburga in Eichstätt wurden inzwischen als bayerisches immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Infos
Zur Website des Fränkischen Seenlands mit gtx-Datei
Zur Website Kloster Heidenheim
Lohnenswert ist auch ein Besuch im Klosterlade, der regionale Spezialitäten bietet.
Einkehren:
Café Emil in Heidenheim
Forellenhof Hechlingen

