Sechs Künstlerinnen in drei Räumen – kann das gut gehen? Dazu noch sechs so verschiedene Ansätze? Von eher klassischen gerahmten Bildern, die an der Wand hängen, über Fotografien, Zeichnungen führt die Bandbreite der Arbeiten bis zu Installationen und räumlichen Inszenierungen. Schon bei der Einführung verblüffte Mia Hochrein, die Sprecherin der Gruppe, das zahlreiche Publikum mit ihrer provokanten Ansage, dass sie selbst überhaupt nicht malen und bildhauern könne. Aber das ist sicherlich tief gestapelt, sie zeigt zwar keine Gemälde von sich, aber eine künstlerisch-gestaltende Ader ist nicht nur bei ihren Arbeiten eindeutig zu identifizieren.
Wie schon in den Ankündigungen zur Ausstellung formuliert, stellt hier eine Gruppe von sechs Künstlerinnen aus, die nicht nur die Ausstellung gemeinsam bestücken, sondern auch in gemeinschaftlichen Zusammenkünften ihre Arbeiten im Rahmen von Projekttagen gegenseitig entwickeln. Jede hat dennoch ihre persönliche Arbeits- und Ausdrucksweise, dass wird auch hier in der Pappenheimer Ausstellung deutlich. Diese gemeinsamen Workshops führten zum Projekt „Island between us“, das sie hier in der Städtischen Galerie präsentieren. Ihre Arbeitsaufenthalte, darunter auch in Island, verbinden die sechs Frauen seit mehr als 15 Jahren und bilden einen zentralen Bestandteil in ihrem künstlerischen Prozess, wie Mia Hochrein erklärt. Sie arbeiten gerne gemeinsam an einem Thema, dann aber „ergebnisoffen und experimentell“. Und bei den dann daraufhin erfolgten Ausstellungen fügen sie ihre Arbeiten so zusammen, dass sie nicht nach einzelnen Personen getrennt gezeigt werden, sondern sich als Einheit präsentieren soll.
Das zentrale Thema, dass sich hier in Pappenheim durch die Ausstellung zieht, ist „Wasser“, ergänzt durch „Fließen“ und „Fundstücke“. Erst mit diesem Wissen erschließen sich manche der Werke und verdeutlichen dem Betrachter den künstlerischen Ansatz – so z. B. das große farbintensive blaue Bild von Stephanie Krumbholz, das uns auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage illustrieren soll oder der wie eine Patchwork-Arbeit wirkende Teppich auf dem Boden im dritten Raum von Hrafnhildur Sigurdadottir – der besteht nämlich aus in Island an der Küste angeschwemmte und aufgelesene Covid-Masken. Das große Faltboot (nein, kein Klepperboot) von Mia Hochrein soll die menschliche Sehnsucht nach fließendem Gewässer, damit nach Reisen, nach Ferne versinnbildlichen.
So wird Zufälliges und Gefundenes gestalterisch völlig neu arrangiert. Völlig unspektakulär liegt auf einem Fensterbrett gerollte Birkenrinde, als ob sie von den Ausstellungsmacherinnen dort vergessen worden sei. Aber bei Nachfrage stellt sich heraus, dass das kein Zufall ist, sondern eine bewusste Komposition: Es sind nämlich über das Polarmeer angeschwemmte Baumrinden aus Sibirien, die uns trotz ihrer Kleinheit und Bescheidenheit die Größe der Welt bewusst machen – aber leider nur mit Erläuterungen verständlich. Oder die vielen kleinen, hochformatigen Fotos von Ines Meier, die in der Coronazeit entstanden sind und erst mit diesem Hintergrund ihre Aussage erkennen lassen. Alles Arbeiten in der Ausstellung haben einen tieferen Ansatz als nur die Gestaltung, es geht um „die Sichtbarmachung von etwas, was nicht sichtbar ist“, wie es Stefanie Krumbholz in ihrem Beitrag ausdrückt.
Die Gemeinschafts-Ausstellung „Island between us“ mit Werken der sechs Künstlerinnen Susanne Britz, Stephanie Krumbholz, Ines Meier, Mia Hochrein, Christiane Gerda Schmidt und Hrafnhildur Sigurdardottir ist noch bis zum 9. November an den Sonn- und Feiertagen jeweils von 14 bis 17 Uhr in der Städtischen Galerie in Pappenheim, Bei der Stadtmühle 1, geöffnet








