Der Roman ist nicht „empfehlenswert“, viel mehr „strapaziös“ und bedient das „Klischee von den bösen Gunzenhäusern“. Piet de Moors „Gunzenhausen“ kam in der lokalen Berichterstattung nicht sonderlich gut weg. Ein gutes Jahr nach der deutschen Veröffentlichung wissen wir, dass der Untergang des mittelfränkischen Abendlandes ausgeblieben ist. Es wird Zeit, sich intensiver, möglichst objektiv und losgelöst von emotionaler Belastung mit diesem besonderen Text zu beschäftigen. Das Dreigestirn aus Touristikchef Wolfgang Eckerlein, Rechtsanwalt Holger Johannes Pütz-von Fabeck und Literaturwissenschaftler Manuel Grosser stellt sich dieser kulturellen Herausforderung und wird im Sommer 2026 „Gunzenhausen“ auf sein intellektuelles „Gefährdungspotenzial“ untersuchen. Ein wichtiges Ereignis, denn immerhin schreibt der Belgier de Moor über J.D. Salinger und dessen Beziehung zur Stadt Gunzenhausen. Folgenlos konnte das nicht bleiben…
Bekanntermaßen war der weltberühmte, 1919 geborene „Fänger im Roggen“-Autor hier bei uns in Gunzenhausen nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Militärgeheimdienstler tätig. Piet de Moor nimmt die echte Person „Salinger“ und schreibt dieser eine ausgedachte Vergangenheit vor einer historischen Leinwand auf den Leib. Im Ergebnis erlebt die fiktive Autorenpersönlichkeit ganz ohne de Lorean und Fluxkompesator wilde Geschichten, weiß zum Beispiel schon 1945 vom Altmühlsee und kennt jede Ratte unter der Villa Schmidt mit Vor- und Zunamen. Doch darf de Moor das überhaupt? Fiktion und Realität nach Belieben vermischen, dazu noch offensichtliche Unwahrheiten verbreiten?
Blickt man über die Grenzen der Altmühlstadt, so wird die metareflexive Ebene des Romans gelobt und der anspruchsvolle Text sogar als eine Auseinandersetzung mit den Strukturen der deutschen Nachkriegsgesellschaft interpretiert. Die Geschichte soll Erinnerungskultur, Schuld und kollektives Schweigen in einem sein, verpackt im schillernden Gewand einer fiktionalen Erzählung. Wird Piet de Moor in der Altmühlstadt also missverstanden und „Gunzenhausen“ ist am Ende mehr Höhenkamm- als Schundliteratur? Finden Sie es mit uns zusammen im Rahmen einer ganz besonderen Lesung heraus. Wir laden am Donnerstag, 9. Juli 2026, um 19.30 Uhr zur traditionellen Literaturreihe in den Kastaniengarten der Kanzlei meyerhuber rechtsanwälte partnerschaft in Gunzenhausen (Rot-Kreuz-Straße 14, 91710 Gunzenhausen) ein.
Am 9. Juli 2026 wird Wolfgang Eckerlein dem Wahrheitsgehalt des Werks als kritischer „Fakten-Wolf“ auf den Grund gehen. Denn möglicherweise flunkert der fiktive Salinger an der ein oder anderen Stelle oder verdreht gar die Tatsachen. Frei nach Lolitta-Autor Vladimir Nabokov ist „Literatur immer Erfindung“ und „Gunzenhausen“ damit vielleicht ein perfektes Beispiel für die Macht von guten Geschichten. Darauf wird Manuel Grosser eingehen, der sich das Werk als Kriegstraumaliteratur vornimmt und J.D. Salinger damit möglicherweise als psychisch Verwundeten analysiert. „Gunzenhausen“ spielt in einer Welt der Unordnung, gerade de Moors poetische Kompositionen treffen mitten ins Herz und berühren emotional tief.
Fehlt nur noch der begnadete Vorleser Holger Johannes Pütz-von Fabeck, der die Analysen in gewohnt-gekonnter Manier mit ausgewählten Textauszügen unterstreichen wird. Literatur hat von Natur aus die Lizenz zur kreativen Behandlung historischer Ereignisse. Machen Sie sich bereit, der Erinnerung an „Gunzenhausen“ neue Aspekte hinzuzufügen.
Abgerundet wird das Literaturevent von einer stimmungsvollen Lichtinstallation. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr, Einlass in den Garten der Kanzlei meyerhuber rechtsanwälte partnerschaft ist um 19 Uhr. Der Besuch ist kostenlos, wer sich einen Platz sichern will, sollte sich jedoch über die Tourist Information der Stadt Gunzenhausen unter Tel. 09831/508 300 anmelden. Bitte beachten Sie: Das Platzangebot ist beschränkt, es gilt das Windhundprinzip.
Fotocredit: kanzlei meyerhuber (v.l.n.r.: Literaturwissenschaftler Manuel Grosser, Rechtsanwalt Holger Johannes Pütz-von Fabeck und Touristikchef Wolfgang Eckerlein)