Museum Archaeopteryxwelten Solnhofen

Wo Urzeitgeschichte lebendig wird – das Museum Archaeopteryxwelten Solnhofen
Er begrüßt die Besucher schon draußen, bevor sie auch nur einen Fuß ins Haus gesetzt haben: ein lebensgroßer Raubdinosaurier, der drohend die Zähne fletscht und dabei irgendwie bezaubernd wirkt. Wer in Solnhofen ankommt, weiß sofort: Hier ist die Erde anders. Älter. Tiefer. Und wer genau hinschaut, findet darin Geschichten, die 150 Millionen Jahre zurückreichen.
Das Museum Archaeopteryxwelten Solnhofen – früher bekannt als Bürgermeister-Müller-Museum – ist ein Museum, das begeistert. Ein Ort, der mit Konzept, Leidenschaft und echter Wissenschaft aufwartet – und dabei für Laien, Familien und Fachpublikum gleichermaßen faszinierend ist.
Solnhofen und seine Steine – eine Weltgeschichte
Solnhofen, Fundort des berühmten Plattenkalks und Entdeckungsort des Urvogels Archaeopteryx, gehört zu den geowissenschaftlich bekanntesten Orten der Erde. Was heute Steinbruchlandschaft ist, war vor rund 150 Millionen Jahren ein flaches, tropisches Insel- und Lagunenarchipel des Urmittelmeeres – und die feinsandigen Sedimentschichten dieser Lagunen konservierten das Leben der Jurazeit mit einer Präzision, die weltweit ihresgleichen sucht.
Ammoniten wie der auf unseren Fotos zu sehende prachtvolle Großammonit mit seinen markanten Rippen oder die zierlichen Kleinexemplare auf den Gesteinsplatten gehören zu den häufigsten Funden dieser Region. Gleich zu Beginn des Rundgangs wird der Besucher vom Ammoniten empfangen – dem Wappentier des Naturparks Altmühltal. Kein Wunder: Nirgendwo sonst in Deutschland ist der Ammonit so allgegenwärtig und so vielfältig erhalten wie hier.
Ein Museum mit langer Geschichte
Solnhofen genießt Weltruf als Lieferant der einzig geeigneten Steine für den Steindruck (Lithographie) und als Fundstelle des Urvogels Archaeopteryx. Die Erfindung der Lithographie durch Alois Senefelder um 1798 brachte dem Ort einen gewaltigen Aufschwung, da nur der feinkörnige Solnhofener Stein für Druckzwecke verwendet werden kann. Das heutige Museum trägt beide Themen unter einem Dach.
Bekannt geworden ist Solnhofen vor allem durch den Fund eines versteinerten Urvogels 1861, dem ein Jahr zuvor der Fund einer einzelnen Feder vorausging – diese gab dem Urvogel auch seinen wissenschaftlichen Namen. Seitdem hat der Ort seinen Platz in der Wissenschaftsgeschichte sicher. Einen zweiten Archaeopteryx-Fund machte man 1877; bei diesem sehr gut erhaltenen Exemplar sind Federkleid und Schwanzfeder deutlich erkennbar. Werner von Siemens stellte damals 20.000 Goldmark zur Verfügung, um das wertvolle Fossil der deutschen Wissenschaft zu erhalten.
Der PaläoZoo: Fossilien in ihrem Lebensraum
Das Herzstück des Museums ist der sogenannte PaläoZoo im Erdgeschoss. Das Ausstellungskonzept ist klug: Tiere, die sich zu Lebzeiten begegneten, sind als Fossilien nach ihren Lebensräumen zusammengefasst. Das Ausstellungskonzept verbindet die Gedanken eines Naturkundemuseums mit denen eines zoologischen Gartens.
So trifft man auf Prachtfossilien wie den perfekt erhaltenen Knochenfisch, dessen Schuppen und Flossen man noch heute auf dem Gestein ablesen kann – oder auf die Libelle, deren Flügelgeäder mit verblüffender Detailgenauigkeit in den Stein gepresst wurde, als wäre sie gestern dort gelandet. Eine fossil erhaltene Echse, ein Seestern, eine Schildkröte: Jedes Stück erzählt seine eigene Geschichte aus einer Welt, die wir uns kaum vorstellen können.
Der sogenannte „Ikonenraum“ bildet den finalen Höhepunkt des Rundgangs. Im Mittelpunkt stehen die Originale des Raubdinosauriers Sciurumimus mit seinem buschigen Schwanz sowie die vogelartigen Archaeopteryx und Wellhoferia.
Weltbedeutung in einem Regionalmuseum
Was dieses Haus so besonders macht, ist die schiere Dichte an international bedeutsamen Originalen unter einem Dach. Das regionale Schwerpunktmuseum beherbergt in seiner Dauerausstellung vier internationale Referenzstücke der Evolutionsforschung: vier Originale der bis dato dreizehn bekannten Exemplare des Urvogels Archaeopteryx sowie den weltweit einzigartigen Babyraubdinosaurier Sciurumimus albersdoerfii.
Das im Museum ausgestellte sechste Exemplar ist das größte bisher gefundene. Nach Aussage von Prof. Dr. Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie in München ist der Sciurumimus nach dem Archaeopteryx-Fund von 1861 der bedeutendste Fossilienfund in Bayern.
Selbst auf Entdeckung gehen
Das Museum ist kein reiner Schaukasten. Im Hobbysteinbruch am Hummelberg kann man selbst auf Fossiliensuche gehen. Mit Hammer und Meißel – Ausleihe vor Ort möglich – ist das Fossilien sammeln ein Erlebnis für Klein und Groß. In den fossilreichen Schichten wartet mit etwas Glück ein Ammonit, den man mit nach Hause nehmen darf. Für Schulklassen gibt es spezielle Führungsangebote, und jeden Mittwoch im Zeitraum April bis Oktober bietet das Museum Führungen im Haus und im Steinbruch an, ohne vorherige Anmeldung.
Ein Pflichtbesuch im Altmühltal
Das Museum liegt mitten in Solnhofen, unmittelbar am Altmühlradweg und nur 100 Meter vom Bahnhof entfernt – idealer geht es kaum für einen Tagesausflug oder als Zwischenstopp auf einer Radtour durch das Altmühltal. Wer einmal den Ikonenraum mit dem Archaeopteryx-Original gesehen hat, versteht, warum dieser kleine Ort im Naturpark seit mehr als 160 Jahren Wissenschaftler, Sammler und neugierige Besucher aus aller Welt anzieht.
Infos
Museum Archaeopteryxwelten Solnhofen
Bahnhofstr. 8, 91807 Solnhofen.
Geöffnet Ende März bis Anfang November täglich 9–17 Uhr.
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Hobbysteinbruch am Hummelberg direkt beim Museum
Montag – Sonntag: 10 – 17 Uhr
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