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Der Hexenprozess von 1590 in Nennslingen (Autor: Arthur Rosenbauer)

Der Hexenprozess von 1590 in Nennslingen (Autor: Arthur Rosenbauer)

„Arme Weiber“ im Feuer-              Hexenverfolgung auf der Jurahochfläche im 16. Jahrhundert

Die Zeit der Hexenverfolgungen, die in Europa ihren Höhepunkt im 16. Und 17. Jahrhundert fanden, ist ein besonderes dunkles Kapitel der Geschichte. In Nennslingen kam es „nur“ zu einem großen Hexenprozess (1590), während für Ellingen und Eichstätt viele Hexenprozesse bekannt sind.

Das evangelische Weißenburg wurde auf Betreiben von Ellingen in einen Hexenprozess gezwungen. Die Geschichte ist mit dem Namen „Bösmüller“ verbunden und bekannt. Mit richtigem Namen Margarethe Seybold. Sie war die Ehefrau von Georg Seybold. Er war Müller auf der Bösmühle bei Weißenburg. Sie selbst war als Hebamme tätig, brachte aber auch elf eigene Kinder zur Welt, das Jüngste im Juni 1589. Margarethe Seybold wurde am 14. 12. 1590 als vermeintliche Hexe verurteilt und hingerichtet.

Festgehalten ist dies in Akten, die sich im Bayrischen Staatsarchiv in Nürnberg befinden. Arthur Rosenbauer, der sich intensiv mit der Geschichte der Region befasst, hat die Akten ausgewertet und vor allem die Ergebnisse zum Nennslinger Hexenprozess in einem Buch zusammengefasst, das die Geschichte der „armen Weiber“ beschreibt und das bei der VG Nennslingen oder beim Autor erhältlich ist.

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Der Ort des Hexenprozesses in Nennslingen

Denunziert und gefoltert

Bereits im Jahr 1589 wurden auf der Jurahochfläche viele Frauen als vermeintliche Hexen denunziert. Wiederholt fielen Namen von Frauen aus Ortschaften wie Oberhochstatt, Raitenbuch, Burgsalach, Nennslingen und Ettenstatt. Ende des Jahres begann man damit, die Frauen in Haft zu legen und „peinlich zu befragen“ – also zu foltern. Durch die Folter wurden die entsprechenden Geständnisse erpresst und der Hexenprozess kam durch das „Geständnis“ in Gang.

 

Der Ablauf der Hexenprozesse war genormt:

Auf die vermutliche Denunzierung folgten die Festnahme und Inhaftierung der denunzierten Person. Hexentreffen, Fliegen mit dem Besen, Verzaubern von Mensch- und Tier, Stehlen von Rahm, Milch, Brot und Speck, Herbeirufen von Hagelwetter und die Buhlschaft mit dem Teufel: All das wurden den angeblichen Hexen in Nennslingen (Prozessort) vorgeworfen. Bei den Vernehmungen wurden mit Folter die entsprechenden Antworten erpresst. Zur Anwendung kamen dabei da: das Aufziehen, Strecken, Feuer, Brennen mit glühenden Kohlen und das Zwicken mit der heißen Zange.

Beim Nennslinger Hexenprozess besuchten die örtlichen Pfarrer die Frauen in der Haft auf Schloss Geyern, weiter sind sie aber nicht im gerichtlichen Ablauf vertreten. Wenn auch niemand vom Klerus als Vertreter der Anklage aufgeführt wird, war er sicher die treibende Kraft des Prozesses. Das Buch „Malleus Maleficarum“, „der Hexenhammer“ war die Grundlage dieses grausamen Treibens:

Anleitung für den Inquisitor zum Umgang mit Hexen wurde 1485/86 verfasst. Das Werk zieht seine Berechtigung aus dem Breve Papst Innocenz VIII. ‚Summis desiderantes affectibus‘ vom Jahr 1482.

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Erwürgen als Gnade

Das Gericht selbst im Nennslinger Rathaus setzte sich aus der Herrschaft, Ratsherrn, Scharfrichter und Nachrichter (veraltet für Henker) zusammen – war also sehr weltlich aufgestellt. Leider sind keine Protokolle von der Gerichtsverhandlung selbst erhalten; so bleibt als Fakt nur das traurige Ergebnis: die Hinrichtung der Frauen. Als Gnade wurde verstanden, wenn die Delinquenten vor der Verbrennung erdrosselt wurden. Das ist auch in Nennslingen mit den vermeintlichen Hexen geschehen.

 

Penible Buchführung- Kostenaufstellungen und makabres Spektakel erzählen Geschichte

Sehr detailliert beschreiben die Akten, wie sich die Kosten für den Nennslinger Hexenprozess zusammensetzen. Jede Verkostung mit Essen, Wein und Bier, die etwa für die Versorgung der Nachrichter nötig war, ist vermerkt.

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Historische Namensliste aus den Akten von 1590

Namen der unschuldig hingerichteten Frauen

Linnhardt Zinners Hausfrau               Nennslingen

Dorothea Gresin                                 Nennslingen

Alte Gertlin/Greftin                           Nennslingen

Thomann Ursula                                Ettenstatt

Burker Anna                                      Ettenstatt

Alte Wedtlin                                       Ettenstatt

Alte Fränkin (Frank)                          Kaltenbuch

Alte Poppin/Peppin                            Ettenstatt

Michael (Grimm) Durl Weib             Ettenstatt

 

Kontakt:

Das Buch „Von Unholden und Hexen“ von Arthur Rosenbauer

ist erhältlich bei der Touristinformation Jura-Anlautertal

Schmiedgasse 1, 91790 Nennslingen, 09147/9411-17

Tourist-info@nennslingen.de               ww.jura-anlautertal.de

 

oder beim Autor:                      info@rosenbauer.net

Bilder: Arthur Rosenbauer

Hauptbild:

Mittelalterliche Darstellung „Hexenverbrennung“

Radtour Jura-Hochebene und Hirschspringquelle

Radtour Jura-Hochebene und Hirschspringquelle

Radtour:
Jura-Hochebene und Hirschspringquelle

Start zu dieser kleinen, aber feinen Radtour ist der Parkplatz am Rohrberghaus in Weißenburg.

Der Weg führt erst recht steil hoch und es öffnet sich ein zauberhaftes Hochtal. Es geht am Waldrand entlang bis zu einer Bank mit großen, alten Fichten. Dann folgt man dem geteerten Flurbereinigungssträßchen Richtung Oberhochstatt. Im Tal liegt Weißenburg und darüber die Festung Wülzburg.

Links geht der Radweg Richtung Kaltenbuch und nach Geyern über sanfte Hügel und Blick auf den Michelsberg.

Am Ortausgang von Geyern folgt man dem Radwanderweg, vorbei an der Anlauterquelle Richtung Nennslingen. Ockerrote Äcker, sattgrüne Weiden, sumpfiges Gelände mit Binsen und Rohrkolben, in der Luft kreisende Greifvögel….einfach nur schön.

Nach Überqueren einer kleinen Brücke  mit blau gestrichenem Geländer geht’s rechts über die Wiese, ein kurzes Stück Feldweg, dann die Straße überqueren und den Wegweiser „Hirschspringquelle“ folgen.

Ein idyllischer Ort mit Picknickplatz und Wassertretbecken, in welchem tiefgrüne Brunnenkresse wächst – ein Zeichen für sehr sauberes Wasser – liegt eingebettet in einem kleinen Trockenrasental.

Laut Infotafel hat diese Quelle in Zeiten großer Wassernot die Jurabauern aus Burgsalach, Raitenbuch und Nennslingen zuverlässig mit Wasser versorgt.

Das Tal auf dem gleichen Weg verlassen und in Nennslingen wieder auf dem Juraradweg Richtung Burgsalach fahren, kurz vor dem Ortsende Richtung Indernbuch weiter, dann Richtung Rohrbach, an der Kreuzung Richtung Oberhochstatt.

Der Flurbereinigungsweg auf der rechten Seite nimmt uns wieder auf und über die Hochfläche geht`s zurück zum Rohrberghaus.

Info

Dauer der Tour: 2 Stunden

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Wassertretbecken an der Hirschspringquelle

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In Geyern

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Kurz vor Nennslingen

Text und Bilder: Karin Mackiol

Das verlorene Dorf bei Wengen

Das verlorene Dorf bei Wengen

„Das verlorene Dorf“

Kunst mit Erinnerungswert auf der Jura-Hochfläche

das verlorene dorf

Inmitten von mit Steinen übersäten Äckern und Feldern mit weitem Blick über die raue, karge Juralandschaft am geografischen Mittelpunkt der Dörfer Wengen, Nennslingen, Biburg und Gersdorf liegt „Das Verlorene Dorf“.

Das Kunstwerk des Künstlers Stefan Schilling zeigt vier Edelstahlmodelle von nicht mehr existierenden Gebäuden. Mit diesem Projekt, auf das nur ein kleines Schild am Straßenrand verweist, will man an die verschwundenen, abgerissenen Gebäude erinnern, die jahrhundertelang  das Gesicht der Orte durch ihren typischen Baustil  prägten.

Jurahaus

Seit 2021 gehört das Jurahaus mit seinem typischen Baustil zum immateriellen Kulturerbe Bayerns. Der Stein für die Häuser stammte aus den Steinbrüchen der Gegend, kennzeichnend ist das Legschieferdach aus Jurakalkplatten, das oft mehrere Tonnen an Gewicht wiegt.

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Bilder: Sigrun von Berg