Der Krimi um den ersten Motorflug der Welt

Die Gebrüder Wright galten weithin als die Pioniere des Motorfluges. Doch der in Leutershausen bei Ansbach geborene Gustav Weisskopf hat zwei Jahre vorher den ersten Motorflug unternommen. Wie kommt es, dass ihm die Ehre des Pioniers verwehrt wurde?
Flugpionier Gustav Albin Weisskopf wurde am 1. Januar 1874 in Leutershausen geboren. In seiner Jugend, so die Legende, verbrachte er viel Zeit an der Altmühl und beobachtete die Enten. Start und Landung faszinierten ihn ebenso, wie der Gedanke des Fliegens.

Weisskopf begann nach der Schule eine Lehre als Buchbinder, die er jedoch abbrach. Die nachfolgende Schlosserlehre beendete er wahrscheinlich. Über seinen Lebenslauf in jungen Jahren ist nicht sehr viel mehr bekannt, Er wanderte schließlich aus, wohl zuerst nach Brasilien, bis er über Umwege vermutlich 1895 in die USA kam.

In Brasilien beschäftigte er sich vermutlich mit Segelflugzeugen und kehrte noch einmal nach Deutschland zurück um mit Otto Lilienthal zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr in den USA fand er bei der Boston Aeronautical Society eine Anstellung und baute zwei Fluggeräte, die jedoch beide fluguntauglich waren. Nach seiner Entlassung ging er nach New York, wo er für einen Sport und Spielzeughersteller arbeitete.

1899 zog er schließlich mit seiner Familie nach Pittsburgh, wo er erste Flugversuche mit einem selbstgebauten Motorflieger unternahm. 1900 ließ sich Weisskopf in Bridgeport nieder, wo er als Nachtwächter Arbeit fand. Dies ließ ihm genug Zeit, tagsüber seinem Hobby der Fliegerei nachzugehen. Am 14. August 1901 gelang ihm schließlich der erste bemannte Motorflug (Condor, Nummer 21).

Im Herbst 1901 erhält er von dem New Yorker Unternehmer Herman Linde
10.000 $ Kapital und baut eine Flugzeugfabrik. 1902 gab Weisskopf bekannt, dass ihm zwei bemannte Flüge von 2 und 7 Meilen gelungen seinen, die er jeweils mit einer sanften Wasserlandung beendet habe. Er schafft es jedoch nicht reproduzierbar flugfähige Maschinen zu bauen und wird letztendlich von einem Auftraggeber gepfändet, was seinen finanziellen Ruin und das Ende der Selbstständigkeit bedeutet.

 Erst posthum geehrt

Am 10. Oktober 1927 stirbt Weisskopf. Doch nicht genug. Er sollte erst Jahrzehnte später posthum für seine Leistungen als Flugpionier geehrt werden.

Die Brüder Wright unternahmen nämlich medienwirksam zwei Jahre später ebenfalls einen bemannten Motorflug. Außerdem hatten sie bereits vor dem ersten Flug Patente angemeldet. Damit ist dies wesentlich besser dokumentiert. Das Foto, das Weisskopfs ersten Motorflug dokumentieren könnte, wurde von der lokalen Wochenzeitung „Bridgeport Sunday Herald“ gemacht und gilt als verschollen.

Einer der einflussreichsten Gegner der Weisskopf-These ist das National Air and Space Museum der Smithonian Institution in Washington und sein Kurator Tom Crouch. Allerdings ist die Unterstützung mehr als dubios. Musste das Museum doch 1948, als Orville Wright und die Nachlassverwalter das originale Flugzeug dem Museum überließen, einen Geheimvertrag unterschreiben. Darin verpflichtete sich das Museum, niemals in Frage zu stellen, dass die Wrights den ersten Motorflug der Geschichte unternommen hatten.

Bilder: Karin Auernhammer und Pressedienst der Flughistorischen Forschungsgemeinschaft Gustav Weisskopf 91578 Leutershausen 

Modell des Flugzeugs

Jubiläum

Am 15. August 2021 begeht die Flughistorischen Forschungsgemeinschaft Gustav Weisskopf das 120-jährige Jubiläum (14.08.1901) des ersten Fluges in Leutershausen. Der Nachbau 21B wird in der alten Turnhalle in Leutershausen zu sehen sein. Der Luftfahrthistoriker John Brown wird u.a. den Festvortrag „120 Jahre Erstflug durch Gustav Weisskopf“ halten.. 14.00 Uhr geht´s los.. Unbedingt sehenswert!! Geschichte zum Erleben.

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Autorin: Karin Auernhammer
26. April 2021